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Spielt mehr Pötte by Erick Lindgren

Spielt mehr Pötte

In Turnieren spiele ich jede Menge Hände. Ich schiebe Chips mit allen möglichen Karten in die Mitte des Tisches, besonders wenn ich in Position bin. Je nach Umstand minimum-raise oder erhöhe ich ein bisschen mehr als das Minimum vor dem Flop. Mein Ziel dabei ist es, es meinen Gegner schwer zu machen, mich auf bestimmte Hände zu schätzen und davon abhängig bessere Entscheidungen zu treffen.

Allgemein will ich damit auch viele kleine Pötte mit wenig Gegenwehr kassieren. Es mag gut sein, dass ich in Position raise und auf einen Call von einem der Blinds hoffe. Wenn ich etwa preflop mit 7-6 raise, kann es natürlich vorkommen, dass ich den Flop komplett verfehle, aber durch das Raise vor dem Flop habe ich das Ruder in der Hand. Auf dem Flop setzte ich dann, wenn zu mir gecheckt wurde, auch wenn mir der Flop nicht hilft. Ein kleiner Einsatz auf dem Flop bringt mir oft einen kleinen und hilfreichen Pot.

Das klappt natürlich nicht immer. Manchmal setzte ich und werde dann gecheck-raised. Aber das gehört dazu und ist auch völlig o.k., weil ich bei solchen Pötten nicht viel verliere, wenn ich sie aufgebe. Insgesamt sammle ich durch mein Spiel mehr Chips ein, als ich verliere.

Der andere große Vorteil von meinem Stil ist, dass ich ab und zu den Flop sehr gut treffe. Wenn das passiert und ich z.B. eine Straße floppe, ist es für meine Gegner ziemlich schwer mich genau auf 7-5 oder 8-6 zu schätzen. Wenn mein Gegner auch einen Teil vom Flop erwischt, dann verdiene ich in diesen Hände sehr viele Chips.

Weil ich früh damit anfange meinen Chipstack aufzubauen, habe ich einen großen Vorteil gegenüber Spielern die vorsichtig und tight in ein Turnier starten. Dieses Extra an Chips, das ich frühzeitig sammeln kann, lässt mich so manche kritischen Momente überleben. Wenn ich z.B. einen Coinflip habe und mit A-K gegen TT antrete, kann ich das verlieren und bin trotzdem noch im Turnier. Ein Gegner, der tight spielt, muss eine solche Situation gewinnen, sonst ist er ausgeschieden.

Anfänger fragen mich regelmäßig, wie sie lernen können, mehr Hände zu spielen. Dann antworte ich immer, dass sie in den Limits deutlich nach unten gehen sollten. Wenn Du momentan $2-$4 No-Limit spielst, gehe bis auf $0,50-$1 runter, dort tun ein paar Fehler nicht so weh.

Wenn Du nun an einem solchen Tisch sitzt, versuche acht von zehn Händen zu spielen. Spiele alles außer 8-2 oder 9-3 und solche Hände, die überhaupt nicht zusammenhängen. Wenn Du derart viele Hände spielst, musst Du Dich zwangsweise mehr auf Deine Gegner konzentrieren, als auf Deine eigenen Karten. Du musst dann aufpassen, wann sich die Situation anbietet, einen Pot zu stehlen. Das musst Du dann mit einem gezielten Versuch versuchen. Du lernst dann auch, wie Du dich verhältst, wenn Du den Flop gut triffst, aber das Board gefährlich ist.

Durch das Spiel auf niedrigeren Limits und dadurch, dass Du so viele Hände spielst, kannst Du eine Menge über Poker lernen. Du wirst auch eine Menge Spaß haben. Schließlich macht es einfach mehr Spaß 50% seiner Hände zu spielen, als nur auf Asse zu warten.

Schau Dir die Erfolge von Gavin Smith, Daniel Negreanu und mir in den vergangenen Jahren an. Du wirst feststellen, dass ein aktives Spiel ein fantastischer Weg sein kann, um Turniere zu gewinnen. Natürlich erfordert dieser Spielstil eine gewisse Übung, aber der Erfolg wird Dir Recht geben und Du hast währenddessen sicher eine Menge Spaß.

Erick Lindgren

 

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