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“Gambeln” versus Kontrolle by Barny Boatman
“Gambeln” versus Kontrolle
Keine Frage auch Poker hat ein “Gamblingelement”. Immer wenn man Geld riskiert für ein unsicheres Ereignis dann „gambelt“ man. Aber Poker ist letztendlich genau das Gegenteil von „gambeln“ weil es in diesem Spiel darauf ankommt intelligente Entscheidungen zu treffen. Es geht hier um Kontrolle und Disziplin!
„Gambling“ in der Reinform – wie ein Lottoticket zu kaufen oder Roulette zu spielen – heisst diese Kontrolle freiwillig aufzugeben und sich ganz auf sein Glück zu verlassen. Hast du einen guten Tag und Gott ist dir gut gesinnt dann hat man Glück. Beim Poker geht es hingegen darum, immer zu versuchen den Glücksfaktor so gering wie möglich zu halten.
Wie kannst du also die Kontrolle behalten in einem Pokerturnier? Geht es darum es einfach zu vermeiden zu „gambeln“? Nur gute Karten zu spielen und niemals zu bluffen? Natürlich nicht!
Wenn du in einem Turnier sitzt und auf gute Karten wartest überlässt du das Ergebnis dem oben erwähnten Glücksfaktor – wie ein Roulettespieler der darauf wartet das seine Glücksnummer kommt. Das Paradoxe am Turnierspiel ist, dass du um die Kontrolle zu behalten unter Berücksichtigung anderer Faktoren – den richtigen Moment finden musst um zu „gambeln“.
Wenn du über 100 km/h auf der Autobahn fährst und nur sehr geringen Abstand von dem Auto vor dir hältst – kannst du der beste Fahrer der Welt sein – wenn der Fahrer vor dir abrupt bremst, dann ist ein Crash unvermeidbar. Die gleiche Situation findest du bei einem Pokerturnier wenn dein Chipstack zu gering ist, um andere Spieler zum Folden zu zwingen oder zu erhöhen. Immer wenn ein Gegner die Bremse benutzt, kann dein Chipstack crashen – und zwar zu einer Zeit die nicht du festlegst sondern deine Gegner. Du wirst Glück benötigen um das zu überleben.
Um in Kontrolle zu bleiben, ist das wichtigste einen “spielbaren” Chipstack zu haben, man muss in der Lage sein eine späte Erhöhung noch überbieten zu können mit schlechten Karten, wenn man der Meinung ist den Gegner zum Aufgeben bringen zu können. Du willst natürlich nicht so spielen – aber du musst erkennen können wenn die richtige Zeit gekommen ist Chips in den Pot zu zahlen. Zu früh und es kann ein unnötiges Risiko sein, zu spät und es ist zu durchschaubar. Zu oft und du wirst ein Glaubwürdigkeitsproblem haben.
Manchmal ist dein Chipstack so gering, dass du weisst beim nächsten Showdown den du mitspielst wirst du einen All-in move machen müssen. Die einzige Kontrolle die du hast, ist wann du diese Aktion setzt und hier hast du auch nicht unbegrenzt Zeit. Warte also nicht bis du All-in im Big Blind bist. Stattdessen, versuche den Zeitpunkt zu finden, mit dem bestmöglichen Pot und so guten Karten wie möglich, um zu überleben. Eine zeitlich gut gewählte „Gamblinaktion“ kann dir die Chance geben wieder einen „spielbaren“ Chipstack aufzubauen.
Gute Turnierspieler suchen oftmals freiweillig nach “Gamblingchancen” um sich große Pots zu sichern. Daher kommt es vor das gute Spieler schon sehr früh in einem Turnier einen All-In move setzen mit einem Flushdraw gegen ein Two Pair um den Vorteil zu haben rasch über einen großen Chipstack zu verfügen und das Spiel kontrollieren zu können. Das wäre jetzt nicht meine Herangehensweise in einem Deepstack Turnier aber ich verstehe die Gründe hinter dieser Spielweise.
Bei Pokerturnieren ist es eine Herausforderung die “Balance” zwischen “Gambling” und Kontrolle möglichst ausgeglichen zu halten. Zu Erkennen wo du und deine Gegner genau stehen in dieser sich ständig ändernden „Umwelt“ hilft dir gute Entscheidungen zu treffen und im Vorteil zu bleiben.
Barny Boatman
- Experten Poker Startegie Artikel
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